Sandras neues Lieblingsspielzeug

Zu ihrem achtzehnten Geburtstag bekam Sandra ein einziges Geschenk. Sie durfte an diesem besonderen Tag schon mit etwas Besonderem rechnen, doch ein so ausgesuchtes, eher seltenes, sehr teures und etwas anrüchiges Spielzeug hatte niemand aus ihrer Bekanntschaft je als Geschenk bekommen. Natürlich hatte sie so etwas schon einmal in der Schule gesehen. Jedes Kind wusste, dass die Erde von zwei halbwegs intelligenten Spezies bewohnt war und dass diese Dinger gefährlich und nur an Sex interessiert waren. Wenn sie begriffen, mit wem sie gerade kuschelten, wurden sie schnell aggressiv. Das konnte gerade im Augenblick eines Orgasmus, wenn man sich einem Partner hingab und selbst ungeschützt und verletzlich war, tödlich enden. Und so etwas lag heute früh an Vorder- und Hinterbeinen gefesselt und mit einem Plastiksack mit Chloroform über der Atemöffnung liebevoll in einer polierten Stahlkiste mit einer roten Schleife verpackt, auf ihrem Gabentisch.

Irgendwann begriff Sandra, dass ihre Mutter mit diesem Geschenk ihre Berufswahl und damit ihren Lebensweg beeinflussen wollte. Erdmute, so hieß Sandras Mutter, entstammte einem alten Stamm von Jägerinnen. Ihre Namen erinnerten sie an den Boden, aus dem sie zur Jagd aufstiegen, um ihr Wild zur Strecke zu bringen.

Der Antrieb zur Jagd war nicht der Broterwerb. Es gab für alle genug zu essen auf der Erde. Aber die steigende Umweltverschmutzung machte die Männer erst lustlos und schließlich unfruchtbar. Nur deshalb ließ sich eine Frau mit Selbsterhaltungstrieb freiwillig mit so ekelerregenden Geschöpfen ein, wie da eins in ihrer Kiste lag. Der Grund der Jagd war die Sicherung der Fortpflanzung.

Sandra wusste, dass das ihr anvertraute Geschöpf nicht ewig in der Kiste überleben würde. Also besann sie sich an die Dinge, die sie bei ihrer Mutter gesehen hatte: Erst das Hirn ihres Opfers auf Emotionen und Obsessionen scannen, dann konzentrieren und eine entsprechende Emotion im gegnerischen Hirn projizieren und so lange steigern, bis es sich paarungsbereit zeigte. Normalerweise belauerte man die Kreaturen nachts zwischen ihren Höhlen und ließ sie einfach weiterkrabbeln, wenn sie auf die Suggestion nicht mit einem hechelnden Atem und einer Öffnung ihrer gefährlichen Beinscheren, zwischen denen das Geschlechtsteil gut geschützt lag, reagierten. Aber da dieses Exemplar gefangen war, bestand die Option “weiterkrabbeln lassen” nicht mehr.

Sandra war eins klar: Der erste Angriff musste gelingen, dann konnte sie Jägerin werden. Ihr Opfer in der Kiste konnte ein einfaches, gut suggestibles halbbetäubtes Wesen sein. Genauso gut konnte aber auch eine wütende Kreatur bei klarem Verstand heraus kriechen, die ihr scheinbar bedrohtes Leben teuer verkaufen wollte und der der Sauerstoffmangel und das Chloroform nichts von ihrer Gefährlichkeit genommen hatten. Ein solches Wesen flachzulegen war zwar der Beleg einer guten Jagdtechnik, aber viel zu oft gewann die Beute.

Zögernd öffnete Sandra die Kiste. Das Wesen lebte und atmete flach unter der Plastiktüte mit ihren gut bemessenen kleinen Löchern. Die großen Linsenaugen, die mit ihrem Verengen einziges Vorzeichen eines Angriffs waren, blieben geschlossen. Eine ungeordnete Woge Emotionen brandeten auf Sandra ein. Unter ihnen isolierte Sandra verwundert eine Geborgenheit, eine positiv angeregte Spannung und einen Traum: “Robbie Williams”! Da war kein bisschen Abwehr und keine Angst deren Überwindung sie so oft geübt hatte. Sandra verstärkte den Traum von Robbie, etwas anderes musste sie hier auch nicht tun. Dann löste sie vorsichtig die Fesseln ihres Geschenkes. Anstelle einer Gegenwehr umklammerte das seltsam weiche Geschöpf die künstlichen spitzen Auswüchse seiner Füße, als wollte es im Hogtie gebunden bleiben.

Vorsichtig hob Sandra das Mädchen mit ihren vier unteren Greifarmen an Becken und Brustkorb, den einzigen Stellen, an denen es auch außen fest und greifbar war, aus der Kiste und setzte es auf ihrem flachen Körper ab. Weiter umklammerte das Mädchen seine Stilettos und dachte nur eins: “Nimm mich, Robbie! Für dich bin ich gebunden.”

Ihre prallen Brüste, die jederzeit Milch mit der hochgiftigen Laktulose absondern konnten, lagen auf Sandras empfindlichen Facettenaugen. Es gab kein Zurück. Ihre oberen Arme zogen dem Mädchen den schwarzen Plastiksack vom Kopf. Thor sei Dank, sie war blond. Blonde Menschen waren besonders blöd und leicht suggestibel. So wie es aussah, hatte ihre Mutter ihr ein ganz besonderes Exemplar der Spezies “Mensch” gefangen: eine devote Bondageliebhaberin, also eine Beute, die sich selber fing und dabei auch noch Freude empfand. Bisher hatte Sandra fest geglaubt, so etwas existierte nur in platten Witzen.

Doch nun wurde ihr Geschenk unruhig. “Wieso bekomme ich soviel Luft? Ist das Spiel schon zu Ende?” schrien sie Gedanken irgendwo zwischen Trauer, Wut, Trotz und Enttäuschung an. Schnell stopfte sie den offenen Mund des Mädchens mit ihrem empfindlichsten Organarm, ihrem Sensorkopf. Auch wenn die Maßnahme ihren Zweck erreichte und ihr Opfer zufrieden durch die Nase schniefte, hatte noch nie eine Jägerin so etwas Idiotisches getan: Ein Schreck, ein Biss des Mädchens und ihr junges Leben wäre zu Ende. Andererseits war auch noch niemand mit seinem Sensorkopf so nahe an einem Menschenhirn gewesen und hatte die Gedanken so leicht verfolgen können. Und die sagten: “Ich habe mich binden lassen, die Atemreduktion ist cool, aber nun nimm mich endlich!”

Sandra schob ihre letzte freie Gliedmaße, den Mutterstachel, in die nasse Spalte des Mädchens. Das tat sie ganz vorsichtig, denn sie wollte nicht bemerkt werden, wenn sie mit jedem Eindringen ein oder zwei Eier mit Widerhaken freisetzen würde. Aber das Mädchen wollte das bemerken, denn sie lutschte genau in dem Tempo auf dem Sensorkopf herum, in dem Sandra in sie eindrang. Und das ging immer schneller, immer verzückter stöhnte das Mädchen.

Dieses Vergnügen würden sie und Sandra nun jeden Tag haben, bis Sandras Larven groß genug waren, um ihr Opfer von innen aufzufressen. Bis dahin hatte sie ein interessantes Spielzeug. Zu mehr taugen Menschen eben nicht.

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