Silvana steigt in die Latexpflanze

Silvana sah traurig über die grasgrünen Berge. Die Sonne brannte unbarmherzig auf eine monotone Landschaft aus Hunderten gleichgroßer Hügel, dahinter ärgerten die vielgerühmten Dreitausender der Alpen ihren Blick. Sie fragte sich oft, warum man jede Spitze dieser blankpolierten Reihe aus Steinpyramiden mit einem Namen versehen hatte, der dann in exakt einhundert Meter hohen schnörkellosen Buchstaben auf allen vier Seiten des Berges stand. Eine dreistellige Nummer, am besten mit zwei führenden Nullen, passte nach ihrer Meinung besser zu diesem Landschaftsersatzbau.

Der Wind presste die Wolken durch den überdimensionalen Kamm aus Bergspitzen in ein gleichmäßiges Muster aus weißen Streifen. Doch das Entropiegesetz zeigte hier wieder einmal die unüberwindliche Macht der Natur: Jedes System strebt einem chaotischen Zustand zu und wenn man die widernatürliche Ordnung aufrechterhalten will, dann muss man Energie aufwenden.

Von ihrem erhöhten Sitz auf dem ersten Hügel sah sie mit einem Lachen, wie die Wolkenbänder sich hinter den Bergen zu immer neuen Formen vereinigten. Die Schäfchenwolken in der Hochatmosphäre warfen mit ihren fraktalen Formen immer neue Schatten auf die in einem exakten RAL-Grasgrün erbauten Halbkugelberge, auf denen Latexpflanzen in schwarzen Mustern durcheinander rollten. Die Ordnungswut der Regierung hatte ihre Grenzen. Leider erinnerte eine lange hässliche Reihe aus silbern gekleideten Mitgliedern des Ordnungsordens Silvana daran, dass sie bald wieder selbst der Ordnung teilhaftig würde. Die Ordner suchten nach ihr und die künstlichen Hügel und Berge boten keine Deckung.

Die Erde sah vor dreißig Jahren ganz anders aus. Doch der dritte Krieg wurde mit Biowaffen geführt. Jede Bakterie wurde zur potentiellen tödlichen Gefahr und so waren die Menschen über Jahre nicht aus ihren Schutzanzügen herausgekommen. Man hatte Käfer gezüchtet, die in Bunker einbrachen, Mäuse, die gezielt Löcher in Stiefel bissen und Kastanien, die ihre stachelbewehrten Früchte nur fallen ließen, wenn ein Mensch im Schutzanzug unter ihr entlanglief. Den Rest erledigten die vielen Viren in der Umgebung.

Daher beschäftigten sich die verbliebenen Menschen über viele Jahre damit, Tiere und gefährliche Pflanzen zu beseitigen und auszurotten. Die wieder erstarkende Regierung setzt das Werk systematisch fort und schuf dazu eine Organisation aus den überflüssig gewordenen Soldaten. Und da die Leute beschäftigt werden mussten, wurden auch die letzten nützlichen Pflanzen entwurzelt, sie könnten ja als Wirt für Bakterien und Viren dienen. Als nächstes wurde der Boden versiegelt, damit sich auf den freien Flächen kein Unkraut ansiedeln konnte.

Zu dieser Zeit wurde Silvana geboren. Ihre Eltern wohnten in einem Hochhaus im Zentrum einer asphaltierten, geschliffenen und polierten Ebene von Hunderten von Kilometern Umfang. Als kleines Kind sah sie, wie ihre Eltern warteten, bis sie schlief, um sich dann komplett in schwarzen oder durchsichtigen Latex zu versiegeln. Selbst die Gesichter ihrer Eltern verschwanden unter Kopfhauben, die den Mund auskleideten und die Zungen ihrer Eltern einschlossen. Nur durch Nasenschläuche bekamen sie noch Luft. Ihre Eltern liebten sich. Sie berührten einander gern und liebten es, alle ihre Körperöffnungen mit der Zunge zu erforschen. Doch ihre Mutter trug einige Viren in sich, die gezielt nach der Blutgruppe des Vaters suchten. Daher berührten sich ihre Eltern nur im Scaphander. Für die kleine Silvana gehörten Zärtlichkeit, Sexualität und ein Ganzkörpereinschluss untrennbar zusammen. Nach dem Sex nahm ihre Mutter Vaters Anzug, saugte sein Spermium mit einer Spritze aus dem Hodenkondom, füllte es in einen Vibrator und befriedigte sich damit nach dem Duschen. Silvana lag dann meist unter dem Bett und wünschte, so schnell zu wachsen, dass sie diesen Stachel auch in sich aufnehmen und diese wahnsinnige Lust erfahren konnte.

Selbstverständlich besaß Silvana immer einen zu ihrer jeweiligen Größe passenden Latexanzug, wie könnte sie auch ohne ihn zur Schule gehen? Doch ihr Catsuit hatte im Schritt keine Öffnungen außer dem Ablassventil ihres Katheters. Zu ihrem zwölften Geburtstag bekam sie dann ihren ersten Keuschheitsgürtel. Den Krieg hatten vor allem gut geschützte Soldaten überstanden und so blieben Frauen Mangelware, derer man oft auch mit Gewalt habhaft zu werden versuchte.

Silvana war bei den Mädchen ihrer Klasse nicht beliebt. Sie interessierte sich für Computer, für Chemie und am meisten für Paläobiologie. Die neuzeitliche Biologie beschäftigte sich mit den immer wieder spontan in den Regenwasserkanälen auftretenden Algen, ihr wichtigstes Werkzeug war der Flammwerfer. Doch im Gegensatz zu den meisten Kindern kannte sie den Unterschied zwischen dem Einhorn, den Sauriern und einem Kaninchen. Sie hatte einen Opa, der in seiner Jugend noch Hasen und Rehe gesehen hatte und gern davon erzählte. Er hielt die Beseitigung der Natur für einen groben Fehler und Silvana sah das genauso.

In dieser Zeit programmierten jugendliche Hacker die ersten Latexpflanzen. Mit der Beseitigung der Pflanzen wurde es nötig, den Menschen andere Nahrungsgrundlagen zu erschließen. So stand bald in jeder Wohnung ein Replikator, der Gegenstände und natürlich Nahrungsmittel nach einmaligem Scan beliebig oft herstellen konnte. So ein Gerät ließ sich verbotenerweise leicht mit dem Computer verbinden. Dann entstanden sehr interessante Objekte. Lebewesen mit Kohlenstoff-basierter DNS waren bei den jungen Hackern verpönt: viel zu oft hatten Bakterien und Viren ihre Schöpfer ihre vernichtet. Außerdem war mit den Pflanzen auch ihre Nahrungsgrundlage vernichtet. Die Latexpflanzen mit ihrem Silikonstoffwechsel dagegen konnten nicht Teil der Nahrungskette irgendwelcher Viren sein. Sie benötigten nur Silikon zum Wachsen, davon gab es in der künstlichen Welt als Poliermittel für Berge reichlich.

Anfangs waren die Pflanzen harmlos und ihr Besitz nicht untersagt. Aber mit der Zeit eskalierte der Streit zwischen ihren Schöpfern und den Ordnern. Diese versuchten nach den fast ausgestorbenen Pflanzen die Latexpflanzen auszurotten und formten sich dabei zur erzkonservativen uniformierten Sekte, die mit ihrem Symmetrie- und Perfektionswahn vor allem die Jugendlichen zum Widerstand reizte.

Silvana hatte mit vierzehn ihre erste schlechte Erfahrung mit einem Ordner. Sie kam an einem Winterabend erst im Dunklen nach Hause. Obwohl es schon seit Jahrzehnten weder wilde Tiere noch Feinde gab, bestand noch ein Ausgehverbot. Zu ihrem Schutz hatte die Mutter Silvana über den allfälligen Catsuit noch einen Körperpanzer angezogen – ein aus zwei Halbschalen aus anderthalb Zentimeter dickem Reintitan mit Glasfaser bestehendes Gebilde, das ihren Leib von den Leisten nach oben schützte und direkt in den kugelförmigen Panzerglashelm überging. Ihre Arme und Beine waren nur durch eine Schicht Latex bedeckt, aber der Harnisch diente nach Aussage ihrer Mutter mehr dazu, ihre Unschuld zu bewahren. Silvana konnte zwar den Helm abnehmen, für den Panzer brauchte sie Mutters Schlüssel.

So fühlte sie sich sicher, als sie eine kleine Abkürzung quer durch einige Ruinen nahm, in denen eine einzelne Gestalt mit silbernem Umhang Kellerzugänge mit umherliegendem Schutt verstopfte. Sicher würde hier morgen eine größere Maschine die Arbeit fortsetzen und alles plattmachen. Aber jetzt arbeitete nur dieser Ordner hier. Eben war er noch querab weit weg, da kam er schon aus einem Kellerloch vor ihr. Auch wenn man sie oft gewarnt hatte, überraschte sie die Brutalität, mit der der Ordner vorging. Er warf ihr ein Metallnetz über Kopf und Arme, dann eine silberne Pelerine, wie er sie selbst trug. Schlagartig begriff sie, warum die Ordner sich so uniform kleideten: Man sah nie, ob drei von ihnen nebeneinander gingen oder ob zwei einen Gefangenen eskortierten. Es gingen in jedem Fall drei silberne Kegel durch die Welt.

Schnell zog er sie den Treppengang hinunter in einen verfallenen Keller, band ihr die Arme über dem Kopf zusammen und verschloss die Öffnung ihres Luftfilters mit Klebeband. Erst dann nahm er sich die Zeit, seine Beute zu betrachten. Er leuchtete mit einer Lampe in den teilverspiegelten Helm. „He, kleine Frau, was suchst Du zwischen den Ruinen. Du weißt doch, dass das gegen die Ordnung ist. Und was gegen die Ordnung ist, gehört uns Ordnern. Jetzt gehörst Du mir. Sag mir, wie dein niedlicher Panzer aufgeht, sonst erstickst Du!“ Silvana hatte keine Möglichkeit, ihren Panzer zu öffnen, selbst wenn sie gewollt hätte. Schon nach kurzer Zeit versuchte der Ordner, ihre Schale mit einem Trennlaser zu knacken. Damit hatte er bei Silvanas teurem Panzer keine Chance, doch er löste einen Alarm aus. Noch während er schweißte, kamen andere Ordner und befreiten sie aus ihrer misslichen Lage. Erst Jahre später begriff sie, was der Ordner von ihr wollte.

Silvanas erste Latexpflanze war eine kleine Modifikation, die es den wie eine Gummikugel aussehenden Pflanzensamen ermöglichte, nach ihrer Geburt in eine dunkle Ecke zu rollen. Das war kein großes Werk, aber es verschaffte ihr in der Szene einen Namen. So wirkt sie bei der Erschaffung der ersten wirklich bösen Latexpflanze mit. Die Pflanze wuchs bis zu einer Höhe von anderthalben Metern und sah wie eine überdimensionale Agave aus. Das Besondere der Pflanze waren ihre Fruchtstände: ein kleiner Kolben, der sanft vibrierte und sanft die Spalte von jungen Mädchen suchte, in die er dann gut hineinpasste und ein Organ, dass wie eine Venusfliegenfalle aussah und leise schnalzend die Erwartung von Männern auf Befriedigung weckte. Die Fliegenfalle war weich, konnte lutschen und ausdauernd saugen. Die Pflanze wurde schnell und illegal weiterverbreitet von all den Teenies, denen sexuelle Kontakte zu gefährlich waren.

Wenn die Pflanze mit einem männlichen Organ in Berührung kam, das erhöhte Werte von Arsen aufwies, gab sie ein Bakterium ab, das einen unvollständigen Stoffwechsel hatte. Ihm fehlte wiederum ein Enzym, das nur mit Arsen funktionierte. Arsen gab es praktisch nur im Blut von Ordnern, denn diese ließen sich damit gegen bestimmte Geschlechtskrankheiten impfen, deren Behandlung sonst zu teuer wurde. So war gesichert, dass die Pflanze ihre tödliche Fracht nur an Ordner ausgab. Nach 66 Teilungszyklen sonderten die Bakterien ein starkes Nervengift ab.

Silvana jubelte, als am von ihr ausgerechneten Tag über tausend Ordner einer plötzlichen Epidemie erlagen und meinte, ihre Entführung sei damit gerächt. Niemand stellte einen Zusammenhang zwischen der Latexpflanze und der Epidemie her. Aber Silvanas Hunger auf Macht war geweckt.

Ihren ersten Kuss musste Silvana sich erobern. Sie war schon sechzehn und alle Mädchen in der Klasse erzählten von ihren Eroberungen. Sie berichteten, wie ein netter oder starker Junge sie aus dem Latexkokon befreit hatte oder wie sie selbst die Initiative ergriffen und einen Jungen verführt hatten. Silvana hatte den meisten Kontakt zu jungen Männern, aber irgendwie betrachteten diese sie als Neutrum oder als virtuelles Eingabegeschöpf diesseits der Computertastatur. Für ihr erstes Abenteuer hatte sich Silvana ihren Kumpel Marvin ausgesucht. Marvin kam sie oft besuchen und schraubte mit ihr am Computer. Dabei erzählte er oft traurig von Mädchen, die ihn nicht beachteten und übersah selbst Silvana in ihrem blankpolierten halbtransparenten leuchtendroten Latexcatsuit. Nur für ihn hatte sie sich die extradünne Gummihaut besorgt, durch die man jedes Haar ihres Körpers und ihre kleinen Brustwarzen sehen konnte. Selbst zwischen ihren Beinen spannte sich nur eine dünne Membrane aus und betonte ihre Scham anstatt sie zu schützen. Marvin regierte nicht.

Doch Silvana war mit sich übereingekommen, Marvin heute auf jeden Fall zu beglücken. So nahm sie etwas Sprühkleber, sprühte einen breiten Streifen Latex damit ein und klebte damit kurzerhand seine Arme auf dem Rücken zusammen. Der durchdringende Geruch des Klebers konnte ihn nicht warnen, denn als Gast trug er einen Glashelm mit eigenem Luftfilter, um seine Gastgeberin nicht zu gefährden. Die befestigte jetzt seine Arme hinten an der Stuhllehne. Dann setzte sie sich rittlings auf seine Oberschenkel, umarmte ihn zärtlich und flüsterte: „Bleib ruhig! Ich möchte doch nur einen Kuss von Dir.“ Dann zog sie sich selbst eine dünne Plastikfolie über den Kopf, bevor sie Marvins Helm öffnete.

Marvin lief der Schweiß in dicken Tropfen von der Stirn. Silvana ließ sich davon nicht beirren. Sie hatte nur eine Chance, Marvin zu erobern. Wenn sie ihn heute nicht zum Freund bekäme, dann hätte sie die nächste Chance mit achtzehn. Auch wenn alle davon träumten, mit einem Jungen ins Bett zu gehen, wurde das Öffnen des Scaphander als Mordversuch gewertet und mit Jugendstrafen nicht unter zwei Jahren geahndet – wenn es denn jemand erfuhr.

So setzte sich Silvana breitbeinig auf Marvins Schoß. Mit viel Bedacht hatte sie sich für den heutigen Tag aus Mutters Kleiderschrank einen schwarzen Ganzanzug aus Lycra ausgesucht. Er passte genau zu ihrer schlanken Figur und betonte jedes kleine Detail von den Höfen ihrer voll werdenden Brüste bis zu der Spalte zwischen ihren Beinen. Sie hatte erwartet, dass die dünne Plastikmembrane über ihrem Kopf sie nicht unattraktiver machen würde und das war auch so. Sie spürte Marvins Körperwärme und ihre freche Zunge drang in seinen Mund ein. Er setzte ihr keinen Widerstand entgegen. Silvana meinte bald, dass Marvin ihre Vergewohltätigung genoss. Was sie aber falsch eingeschätzt hatte, war ihr begrenzter Luftvorrat. Sie war sicher, dass sie rechtzeitig aufstehen würde, Marvin noch mit genauso einem Sack versiegeln und sich befreien könnte, da wurde ihr schwarz vor Augen.

Silvana kam auf dem Boden zu sich. Ihre Lungen brannten und um ihren Kopf rasselte die halbzerrissene Plastiktüte. Über ihr lachte Marvin: „Hallo Süße! Du kannst mich jetzt losbinden.“ Wie benommen stand Silvana auf und befreite ihrem Klassenkameraden die Hände. Ihr schlechtes Gewissen drückte sie fast zu Boden. Doch Marvin umarmte sie und küsste sie mitten auf den Mund. „Du bist so süß. Ich hätte nie gewagt, Dich auch nur zu berühren. Aber nun lass ich dich nie wieder los. Leider fressen uns nun die Bakterien auf. Komm, kuschele bis dahin mit mir!“

Silvanas Mutter erzählte später, Silvanas Zimmer wäre mit einem Biohazard-Siegel verschlossen gewesen. Aber anstatt pflichtgemäß die Ordner zum Dekontaminieren zu rufen, habe sie einfach nach ihrer Tochter gesehen. Sie fand ein eng umschlungenes Paar nackter Sechzehnjähriger im Bett. Und da sie selbst – bis auf die seltene Ausnahme mit ihrem Mann – schon lange nicht mehr an die Bakteriengefahr glaubte, hatte sie einfach Abendbrot gemacht. Das einzig Sichere an einem Scaphander war nach ihrer Meinung, dass er Bevölkerungsaufläufe und persönliche Beziehungen sicher verhinderte und so zur Machterhaltung der Ordner beitrug.

So war es dann auch. Es passierte gar nichts und so wurden Silvana und Marvin zum einzigen heimlichen Paar der ganzen Schule. Doch die Idylle dauerte nicht lange. Eine Überwachungskamera filmte beide, als sie Hand in Hand über ein frisch versiegeltes grünlackiertes Feld gingen. Es dauerte nicht lange, da erschienen vier Ordner in ihren silbernen Pelerinen. Die Verhaftung ging ganz schnell. „Ihnen beiden wird Verführung Minderjähriger vorgeworfen. Das Verbrechen der Verführung Minderjähriger wird mit 2 Jahren Arbeitslager in der Landschaftsordnung bestraft. Sie können selbstverständlich darauf bestehen, Minderjährig zu sein. Dann erhalten Sie nur 2 Jahre Erziehungslager, das Arbeitslager für 2 Jahre bekommen beide Eltern wegen Verletzung der Aufsichtspflicht. Abführen!“

Silvana lernte nun die vielgerühmten Ordnungsringe kennen. Ihr wurden breite Metallreifen um Handgelenke, Ellbogen, Knie und Füße gelegt, dazu ein breiter Reifen um den Bauch „für Energie und Peilsender“ und ein noch dickerer Halsreif. Ein Ordner erklärte ihr tückisch lachend, der Halsreif sie „für Atemnot, Würgen, Schmerzen und Isolation“ zuständig. Dann bekam sie eine silberne Pelerine übergestülpt und sahen genau aus wie ihre Wärter. Zwei Ordner nahmen sie in die Mitte, dann gingen sie los. Die Ringe sorgten dafür, dass sie sich immer genauso bewegte wie ihr linker Nachbar. Beugte er den Arm, beugte sie den Arm. Ging er größere Schritte, ging sie größere Schritte und als er sich zwischen den Beinen kratzte, tat sie das zwangsläufig auch.

So wurde sie ins Gericht geführt. Von der Verhandlung bekam sie nichts mit, sie wurde erst nach 10 Minuten zur Urteilsverkündung hereingeholt. „Wegen Verführung von Marvin …. zwei Jahre Straflager in der Versiegelung der Berglandschaft…“ war das Einzige, was zu ihr durchdrang. Dann wurde sie zur medizinischen Prüfung ihrer Haftfähigkeit weitergebracht. Unterwegs erzählte ihr Wärter ihr Gruselgeschichten: „Ich bin der Herr der Ringe. Ich kann Dir nichts tun, denn ich bleibe immer genau einen Meter von Dir weg. Aber ich kann mich auf den Rücken legen und einfach die Beine spreizen. Dann kommen meine Kameraden und werden in Dich eindringen. Und irgendwer hat dafür sicher bald eine Arrestantin für mich. Natürlich kannst Du versuchen, Dir die Gesichter zu merken. Aber das geht nur, wenn Du Gesichter siehst. Schau mal!“ Silvana drehe den Hals zu dem Ordner, als alles um sie dunkel wurde. Sie hatte panische Angst, obwohl sie seine Stimme weiter hörte: „Das sind nur zwei kleine polarisierte Felder. Sicher willst du jetzt wissen, was dein Halsband noch kann. Also spüre es!“ Schlagartig atmete Silvana gegen eine Wand. Die schwarze Kugel um ihren Kopf ließ plötzlich weder Luft herein noch heraus. Innerhalb weniger Sekunden hatte sie rasende Kopfschmerzen und Sterne vor den Augen. Nur zusammenbrechen konnte sie nicht, die Ringe um ihre Beine zwangen sie zum Weiterlaufen, obwohl sie blind und kraftlos war.

Nach einer Minute gab der Ordner ihren Kopf wieder frei. Fast dankbar sog sie die Luft tief ein, um sogleich wieder gewürgt zu werden. Der Druck auf ihre Kehle wurde unerträglich, sie sah wieder Sterne und erleichterte sich in ihren Catsuit, bevor sie bewusstlos wurde. Leise hörte sie die Stimme, die völlig ungerührt weiterredete:“ … Sensoren im Halsband verhindern, dass ich Dich umbringe. Das kann ich nur, wenn ich mit Dir in einen Keller gehe. Dann bekommt das Halsband keine Funksignale mehr von der Zentrale und das Halsband steht für 5 Minuten auf `Würgen`. Ich habe noch nicht gehört, dass jemand das übersteht. „

In der medizinischen Abteilung des Ordnerstützpunktes regierte zu Silvanas Überraschung eine langhaarige Frau. Ihre Umgangsformen machten schnell klar, dass sie nichts von den Gefangenen hielt, die sie untersuchte. Ein kurzer Druck auf eine Fernbedienung und die Ringe der Ordner fielen einfach von ihr ab. „Ausziehen!“ war das einzige Wort, das sie an Silvana richtete. Da sie der Aufforderung nicht schnell genug nachkam, schnitt ein kurzer Ruck mit dem Laserskalpell ihr den Helm und den halben Schutzanzug entzwei. Zwar tat nichts weh, aber der Raum stank nach verbranntem Gummi und Plastik. Blitzschnell zog Silvana die Reste ihrer Kleidung aus, sie wollte nicht wissen, wie die Waffe auf ihren unbekleideten Körper wirkte.

Die Ärztin nahm Silvana etwas Blut ab, bemerkte dann ihren kleinen Bauch und warf sie mit geübtem Griff auf die Untersuchungsliege, um dort mit einem Ultraschallgerät den Unterbauch anzusehen. Dann griff sie ganz aufgeregt zum Telefon und sagte zu irgendjemand: „Ja, das Kind hat ein Baby im Bauch. Ich hab die Genetik überprüft. Die Mutter ist praktisch für kein Virus anfällig, was hier so kreist. Sie ist optimal für unser Programm.“ Dann rief sie zu dem wartenden Ordner: „Abführen in Labor 14. Aber ganz sanft, keine Aktionen mit den Ringen mehr. Ich brauch die Kleine ohne Schäden!“

5 Minuten später gab der Ordner sie an einer Luftschleuse ab, hinter der eine schlanke, junge Frau mit vertrauenerweckendem Lächeln wartete. „Komm einfach herein, Du hast eh keine andere Option. Und was ich tun muss, das tue ich liebevoll. Hinsetzen, entspannen, erzählen, Tee trinken! Ich bin Yana, die vermutlich letzte Frau auf diesem Planeten, die laut sagen darf, dass sie Frauen liebt. Aber Du bist nicht hier, weil Du Frauen magst, das sehe ich an Deinem Bauch.“ Zärtlich streichelte Yana über Silvanas Bauch. „Diese schamlosen Gestalten können nicht einmal einer Frau etwas anziehen, wenn sie sie als Gefangene über die Flure schleifen. Geh duschen und dann zieh Dir etwas Kuschliges an! Sachen liegen neben der Dusche!“

Silvana war verwirrt. Erstens wusste sie nichts von ihrer Schwangerschaft. Man hatte ihr überall erzählt, Kinder wären etwas Seltenes und die paar Jugendlichen, die sie kannte, waren dafür Beweis genug. Dann wunderte sie Yanas Fröhlichkeit inmitten der brutalen Ordnerzentrale, die sie ohne Möglichkeit zur Äußerung zu 2 Jahren Haft verurteilte. Vermutlich bekam Marvin dieselbe Strafe, obwohl er sie nun wirklich nicht verführt hatte. Was war eigentlich das Programm und was sollte mit ihr passieren? Sie suchte nach einer Möglichkeit zur Flucht.

So stieg sie unter die Dusche, aus der zu ihrer Beruhigung wirklich nur Wasser herauskam. In der Dusche stand eine Auswahl an Körperlotionen und Cremes, wie sie Silvana noch nie gesehen hatte. Der Zweck der Flüssigkeiten stand auf der Packung und so zog sie die Zeit zum Haare waschen künstlich in die Länge, um ungestört nachdenken zu können. Als sie endlich herauskam, stand Yana mit dem Handtuch draußen und rubbelte ihr die Haare ab. „Du hast die Bodylotion vergessen!“ „Was ist Bodylotion?“ „Eine Creme, die nur dazu da ist, die Haut weich, wohlriechend und glänzend zu machen. Halt einfach stille!“ Yana rieb Silvanas Haut mit einer weißen Paste ein, die schnell einzog und wirklich so glänzend machte wie frisch silikonisiertes Gummi. Dabei waren ihre Hände ganz sanft, besonders als sie die kleinen Brüste und den Babybauch einrieb. Silvana konnte den Zauber verständlicherweise nicht genießen. Eine Frage plagt sie: „Was passiert jetzt mit mir?“

Yana lachte. „Du wirst in einen Gelkokon verpackt, der dafür sorgt, dass du über die Schwangerschaft vor aller Umwelt geschützt und abgeschirmt bist und den Nebeneffekt hat, dass Du Dich weder verletzen noch verschwinden kannst. Dazu werde ich Dich rasieren, in jeder Deiner Körperöffnungen einen Schlauch verschwinden lassen und Dich so lange bequasseln, bis Du von allein in das Gel steigst. Und …“ Yana zog ein Gesicht, als ob dies der Hauptpreis der Lotterie „Ein Platz an sauberem Wasser“ wäre. „… ich bin die Hebamme, die Dich weckt, wenn es Zeit ist und Dir hilft, das Kind zu bekommen.“

„Sicher willst Du wissen, warum ich das tue. Die Ordner wollen Babys klonen und erziehen, um ihren Nachwuchs und damit ihre Organisation zu sichern. Dazu haben sie systematisch alle schwangeren Frauen, derer sie habhaft werden konnten, unter seltsamsten Umständen gefangen und hier bis zur Geburt der Babys festgehalten. Selbstmorde und Geburtskomplikationen waren die Regel. Seit ich hier bin, überleben wenigstens die Mütter. Ist das nicht pervers? Übrigens: Wir haben jede Menge Zeit. Man findet nicht jeden Monat eine schwangere Frau. Niemand treibt uns hier. Wir kommen nur nicht raus. Komm, leg dich hin und lass dich massieren, ich mach das gerne!“

Yana gab sich alle Mühe, Silvana zu beruhigen, das gelang ihr auch. Die Aussicht, sie in der nächsten Zeit als Wächterin zu haben, war erfreulich. Yana machte ihre Sache wirklich gut. Sie knetete Silvanas Rücken und strich dabei immer wieder sanft seitlich über ihre Brüste. Dann bat sie Silvana, sich umzudrehen, packte sie in eine dicke Decke ein und flüsterte: „Schlaf ein bisschen, der Tag war anstrengend!“ Es klappte, Silvana schlief wirklich ein. Als sie aufwachte, fühlte sie sich frisch und ausgeruht.

„Komm, ich rasiere Dir Deine Möse.“ Aus Yanas Mund klang das wie ein Allerweltsvorgang. „Frau sollte unten herum immer rasiert sein, denn erstens sieht es gut aus, zweitens bist Du dort empfindsamer, wenn die Haare nicht im Weg sind und drittens kommst Du sowieso nicht drum herum. Mach die Beine breit!“ Yana verstand ihr Handwerk gut. Sie seifte Silvana ein, um dann mit einem uralten Messer die Haare zu entfernen. Dabei gab sie sich viel Mühe, Silvana auch wirklich an allen intimen Stellen zu berühren. Schließlich war sie mit ihrem Werk zufrieden und schickte Silvana noch einmal duschen.

Unerwartet stand Yana mit unter der Dusche. Sie umarmte Silvana, küsste sie zärtlich auf den Mund und schob dann eine freche Hand zwischen Silvanas Beine, die sofort die großen Lippen spreizte und tiefer eindrang. Dabei flüsterte sie ganz leise in Silvanas Ohr: „Hey, Silvana, ich habe Deine Akte durchstöbert. Du hattest Kontakt mit mindestens zwölf verschiedenen Latexpflanzen, sagt der Immunstatus. Ich kenne nur fünf von den Dingern, die unseren Ordnern so viel Ärger bereiten. Wenn du mehr kennst, sitzt du an der Quelle. Das bedeutet, dass Du sie mitgezüchtet hast oder den Züchter so gut kennst, dass Du Prototypen noch vor der Freisetzung siehst. Liege ich richtig?“ Silvana dachte kurz nach, dann nickte sie. „Gut. Ich bin stolz, Dich zu kennen und ich werde Deine elektronische Akte so manipulieren, dass Du hier nach der Schwangerschaft sofort raus kommst. Ich riskiere zwar mein Leben, wenn das rauskommt, aber dafür musst Du mir versprechen, dass Du den Ordnern jetzt richtig wehtust. Versprich es! Bitte!“ Silvana nickte wieder. „Wenn Du noch etwas sagen willst, ist die Dusche der einzig unabhörbare Ort hier.“ Dabei verschwand Yanas zarter Finger tief in Silvanas Schoß und erzeugte dort lange Schauer der Lust. Anschließend bewies Yana, dass man auch mit einem warmen Handtuch zärtlich sein kann.

„Silvana, magst Du eigentlich Latex?“ „Was meinst Du?“ „Magst Du das Gefühl von Latex auf Deiner nackten Haut?“ „Ja, es gibt mir Sicherheit und Verletzlichkeit auf einmal. Wieso?“ „Dann habe ich die richtige Verpackung für Dich, wenn ich Dich schlafen schicke. Schau mal!“ Yana hielt eine schlaffe Hülle aus dünnem Latex hoch, die im Licht der Xenonröhren noch kälter glänzte als die Tod und Verderben ausstrahlende Laborumgebung. Ein Schutzanzug war das sicher nicht, denn erstens war er zu dünn und zweitens hatte er einen vom Nacken bis zum Nabel durchgehenden Reißverschluss, der ohne Gasdichtung wenig Vertrauen erweckend aussah. Viel zu eng war er auch noch, Silvana würde Mühe haben, ihn anzuziehen.

Die Innenseite des Anzuges war mit einem Gel gleitfähig gemacht, so dass sich Silvanas lange Beine geradezu von selbst einfädelten. Auch die Ärmel mit den Handschuhen lagen eng und faltenfrei an. Silvana fühlte sich wie in eine große Presse eingezwängt, als Yana den Reißverschluss langsam durch den Schritt über den Rücken bis zum Hals hochzog. Sorgfältig strich Yana die letzten Falten aus dem Catsuit, um sich dann in eine eigene schwarze Latexhülle zu zwängen.

Fasziniert sah Silvana, wie die labbrige Hülle aus Gummi durch Yanas Beine langsam Form bekam und stellte sich vor, wie sie gerade den gleichen Anblick geboten hatte. Ihr Gedanken wurden durch Yanas Frage „Hilfst Du mir?“ unterbrochen, denn selbstverständlich bekam sie ihren Schrittreißverschluss auch nicht zu. Silvana hatte ihre Mühe, genug Material zu greifen, um den Zipper zwischen Yanas Beinen zu bewegen, dafür ging es oberhalb ihres prallen Po wie von allein. Bis der Zipper oben am Hals war, wurden noch einige Verrenkungen nötig. Schließlich zog Yana Silvana vor eine verchromte spiegelnde Wand. „Sieh uns an! Sehen wir nicht lecker aus, viel zu schade für Männer? Komm, ich zeig Dir, was nun auf dich zukommt!“

Yana ging in einen schlecht erleuchteten Raum, der mit Technik fvollgestopft war und von dem eine unheimliche Kälte ausging. In langer Reihe standen oben offene Tanks mit einer hellgrünen Flüssigkeit. In den ersten Tanks schwammen nackte Frauen, durch Ordnerringe in exakter Habachtstellung gefesselt und durch einen Luftschlauch im Mund mit der Außenwelt verbunden. Ihre Gesichter wirkten eingefroren und waren von Angst und Schmerz verzogen. Dann kamen acht Behälter, in denen Frauen in entspannter Haltung schwebten, einige von ihnen schienen im Schlaf zu lächeln. Vor dem ersten freien Behälter blieb Yana stehen und drückte mit der Hand auf die Oberfläche. Sie blieb fest und zähelastisch wie Wackelpudding. „Eine Sol-Gel-Mischung. Sie war Teil eines gescheiterten Versuches, Menschen für bessere Zeiten zu konservieren damals vor dem dritten Krieg, als man noch dachte, die Zeiten würden wirklich besser. Die Maschine funktionierte nie, aber die Fesselvorrichtung ist gut. Man legt fünf Volt an und das Zeug wird dünnflüssig. Wenn die Spannung weg ist, entsteht ein zähes festes Gel, aus dem bisher niemand ausbrechen konnte. Schau mal, hier ist der Schalter.“

Yana setzte sich in lasziver Pose auf die glänzende grüne Oberfläche des Füllgel und forderte: „Ich wollte es schon immer mal selbst testen. Schalte es ein, aber lass mich nach einer Minute wieder raus, ich habe keine Luftzufuhr!“ Silvana drückte den Schalter wirklich sehr kurz. Infolgedessen sank Yana nur bis zum Oberkörper ein, bis das Gel wieder fest wurde. Sie war selbst vom Ergebnis überrascht, denn ihre Hände waren mit unter der Oberfläche verschwunden. Damit war sie so hilflos, wie Silvana sich das vorgestellt hatte. Neugierig versuchte sie, Yanas rechte Hand, die nur bis knapp über die Knöchel verschwunden war, aus dem Gel zu zerren. Die Oberfläche wulstete sich ein wenig auf, blieb aber glatt, trocken und durchsichtig. So fragte sie lauernd: „Wolltest Du da wirklich ganz rein?“ und betätigte den Schalter erneut.

Dieses Mal verschwand Yana nach einem tiefen Atemzug ganz in der grünen Brühe und verharrte regungslos wie mitten im Fallen eingefroren. Selbst ihre Augen blieben offen und die kleinsten Fältchen auf Yanas Catsuit blieben gut erkennbar. Leider verhinderte das grüne Gel die Beurteilung von Yanas Hautfarbe. Daher zählte Silvana laut bis sechzig und gab Yana wieder frei. Die tauchte mit einem laut pfeifenden Atemzug auf und rief:“ Klasse, so hab ich mir das vorgestellt!“ „Cool!“ antwortete Silvana und setzte Yana genau in dem Augenblick fest, als nur der Kopf aus der grünen Flüssigkeit herausragte. „Dann werde ich Dir jetzt auch ein paar ungeahnte Freuden machen. Wo bitte finde ich die Atemschläuche?“ „Das kannst Du nicht machen!“ maulte Yana. „Du hast keine Ahnung, was ich kann. Wenn es hier eine Überwachung gibt, dann kann sie uns nicht unterscheiden. Hilferufe dürfte man hier auch gewohnt sein. Also verrate mir bitte, wo ich die Schläuche finde, sonst muss ich Dir wehtun!“ „Schläuche sind im Regal gegenüber. Zu jedem Stasistank gehören ein Atemschlauch und eine Vollgesichtsmaske.“

Silvana fand wie angegeben einen Durchatemknebel im Regal. Sie hielt ihn Yana vor die Lippen, die ihn gehorsam in den Mund nahm. Ein kurzer Druck auf einen Schalter und Yana versank wieder, um die erste schwarz gefärbte Figur in der Reihe konservierter Frauen zu werden.

Silvana sah sich nun ungestört und systematisch in dem Labor um. Es bestand wirklich aus genau drei Räumen, von denen sie den Empfangsraum und das Lager mit den Tanks schon kannte. Das dritte war ein Operationssaal, der wie die anderen Räume keine Fenster und keinen Ausgang hatte. Nach einer halben Stunde ließ sie Yana wieder frei und half ihr aus dem Tank. „Ich wusste, dass ich mich auf Dich verlassen kann. Es hätte ruhig etwas länger sein können. Aber nun bist Du dran. Möchtest Du auch erst probieren oder gleich dauerhaft im Tank schlafen?“

Silvana wollte nur, dass dieser seltsame Zirkus, der ihr merkwürdig und surreal vorkam, endlich ein Ende hatte. So ließ sie ohne Gegenwehr zu, dass ihr eine Magensonde gelegt wurde. Einen Blasenkatheter war sie gewöhnt, auch mit der Vaginalsonde, mit der ihr Baby angesehen werden sollte, war sie gleich vertraut. Schwer und schmerzhaft war für sie ein riesiger Buttplug, den ihr Yana unter gutem Zureden platzierte. Richtig Angst hatte sie nur vor dem Atemschlauch. Was wäre, wenn das grüne Gel durch Nase eindringen und sie endgültig ausfüllen würde? Das Problem umschiffte Yana elegant, indem sie eine Vollgesichtsmaske mit Latexhaube anreichte. Schließlich war Silvana komplett in einer dünnen, aber dichten schwarzen Latexhaut eingeschlossen.

Yana schloss all die Schläuche und Kabel an und bat Silvana dann, sich auf dem Rücken bequem auf das grüne Gel zu legen. „Holst Du mich noch mal raus oder war’s das dann?“ wäre Silvanas nächste Frage gewesen, doch da versank sie schon in der zähflüssigen Brühe. Die plötzliche absolute Stille war beängstigend, einzig die Gesichtsmuskulatur unter der Gasmaske war noch beweglich. Das gesamte Blickfeld bestand aus grünem Schleim, hinter dem Yanas Bewegungen nur schemenhaft sichtbar waren. Der Druck auf den Brustkorb beim Atmen war unerträglich, da begann die Ultraschallsonde in Silvanas Vagina zu vibrieren. In die Stille hinein ertönte in ihren Ohren Yanas Stimme sanft und ganz klar: „Du bekommst jetzt ein Schlafgas. Wenn Du aufwachst, bist Du zu Hause. Und erinnere Dich, wer dann das Baby aus Deinem Bauch gestohlen hat. Vergiss nie die Ordner. Und, Süße, macht sie fertig. Schlaf schön. Und …. ich liebe Dich.“

Silvana wachte in ihrem Bett auf. In ihrem Bauch herrschte eine schmerzhafte Leere. Ihre Erinnerungen waren klar bis zu dem Augenblick, in dem sie im grünen Sumpf versank. Dann musste viel fehlen, denn nach ihrem Wandkalender fehlte ihr ein halbes Jahr. „Du hast lange geschlafen. „ sagte ihre Mutter vom Kopfende aus. „Was ist passiert?“ „Ich verstehe es nicht. Gestern brachten Dich zwei Ordner und sagten, Du hättest zwei Jahre Jugendhaft wegen Verführung Minderjähriger abgesessen. Davor hatte ich ja immer Angst. Du warst aber nur sieben Monate weg. Was haben Sie Dir angetan?“

Schlagartig fielen Silvana der Tag ihrer Gefangenennahme und Yanas Worte ein: „… ich will Deine elektronische Akte so manipulieren, dass Du hier nach der Schwangerschaft sofort raus kommst…“ Ihre Mutter musste nichts davon erfahren. „Sie haben mich in ein Lager gesteckt, wo ich Felder betoniert und dann grün gestrichen habe. Irgendwann sagten sie, ich hätte genug gesessen. Wer versteht die Ordner? Und nun lass mich bitte, ich möchte schlafen.“

Vom Tag ihrer Wiederkehr an war Silvana in der Schule ein Vorbild. Sie trug immer korrekte Scaphander mit integriertem Keuschheitsgürtel und mied jeden Kontakt zu Jungen. Dieses Verhalten war sehr glaubwürdig, denn alle wussten, dass sie über ein halbes Jahr in der Gewalt der Ordner war. Von Marvin hatte niemand wieder etwas gehört.

Silvanas Gedanken gehörten von diesem Tag an der Rache. Ihre zweite Kreation sollte die Latexpflanzen salonfähig zu machen. Dazu mussten sie etwas tun, was der Ordnung zuträglich und den Ordnern angenehm war. Also suchte die Pflanze Müll und wuchs, indem sie ihn aufnahm. Und wenn sie etwas aus Zink fand, dann hüllte sie es in dicke Schichten aus Latex ein. Einen Effekt, der Ordner schadete, hatte die Pflanze nicht. Aber wenn man sich mit einer normalen Hautcreme, die ja praktisch für jeden erreichbar war, einrieb, dann scheidete sie ihn in einen lückenlosen dicken Kokon ein.

Die Pflanze wurde ein Erfolg. Sie wurde, obwohl niemand ihre Herkunft kannte, eine ernste Konkurrenz für die Müllwirtschaft. In den meisten Haushalten wurde sie zur Hausmülltrennung eingesetzt. Frecheren Jugendlichen ersetzte sie den Catsuit, denn sie umhüllte auch das beste Stück junger Männer dicht und sicher mit Latex – wenn man es nur mit der richtigen Creme einrieb. Irgendjemand erfand eine Plastikkugel mit Luftfiltern und flexiblem Zinkrand. Man nahm sie in den Mund. Wenn man sich mit diesem Teil in die Nähe einer Latexpflanze begab, dann war an je nach Fütterungszustand der Pflanze in spätestens einer halben Stunde hermetisch von der Welt getrennt und konnte trotzdem an jeder Stelle seines Körpers zärtlich berührt werden. Mit der Verbreitung dieser Pflanze kam die sexuelle Freiheit der Jugend wieder, denn sie beugte Schwangerschaften vor und ließ Intimitäten auch ohne teure und für Halbwüchsige unerreichbare Spezialcatsuits zu. Nach sechs Stunden zog sich die Pflanze von allein zurück, ihr Produkt verschwand spurlos von der Haut.

Um die Pflanzen herum entstanden neue Sitten. Man schenkte sich eine kleine Knospe, die höchstens einen Finger einscheiden konnte und sagte damit „Warte auf mich!“ Viele Leute meinten, die Latexpflanze sei die natürliche Weiterentwicklung der im letzten Krieg verlorenen Biosphäre und ein gutes Werk der Ordner. Nur Silvana wusste um den Ursprung der Pflanzen. Ihre Gedanken waren auf ein Ziel gerichtet: Den Ordnern zu schaden. Doch ihre Träume schweiften oft zu Yana ab.

Durch einen Zufall erfuhr Silvana, dass es eine spezielle Zahnpasta mit seltenen Antibiotika für Ordner gab. Nach einem derartigen Selektionskriterium suchte sie schon lange, denn dadurch konnte sie eine neue Pflanzengeneration in Umlauf bringen: Die Pflanze verbreitete sich schnell, weil sie nicht nur alles mögliche in Latex verpackte. Sie zog sich jetzt auch zurück, wenn sie Ultraviolett beleuchtet wurde. Damit musste man nicht immer sechs Stunden warten, wenn man sich ausziehen wollte. Da es UV-Licht nachts nur aus künstlichen Quellen gab, war das ein großer Vorteil. Doch dafür hatte sie einen kleinen Nachteil: Sie hatte ein Enzym, dass sie instabil machte. Alle 24 Stunden schnitt ein Enzym namens Telomerase eine Aminosäure von einer dazu bestimmten Kette. Als nach 220 Tagen die Kette alle war, passierte zunächst gar nichts bei der nunmehr weit verbreiteten Pflanze. Doch ihre innere Biochemie änderte sich radikal, nun suchte die Pflanze nach der speziellen Zahnpaste. Silvana wußte den Zeitpunkt, wartete auf den Abend und hatte extra eine Gaststätte aufgesucht, in der es leichte Mädchen, Ordner und viele Latexpflanzen gab.

Ihr war schon mulmig, als sie ein silbern gekleideter hochgewachsener Mann gar nicht ansprach, sondern ihr einfach ein paar Nahrungsmittel in die Tasche schob und sie mit sich auf ein Zimmer zog. Während sie noch sprachlos dastand, zog der Ordner seinen Schutzanzug aus und stand nackt und eingecremt vor ihr. Mit den Worten „Na zieh Dich endlich aus!“ berührte er die Latexpflanze neben dem Bett.

Obwohl Silvana das Unheil selbst programmiert hatte, erschrak sie, als die Pflanze ihn zwar wie immer beschichtete, aber dieses Mal das Gesicht mit bedeckte. Seine Ausatemluft formte einen straffen Ballon vor dem Gesicht, der mit jedem Atemzug kleiner wurde. Die Finger des Ordners verschmolzen zwar mit der dünnen Membrane, konnten sie aber nicht zerreißen. Nach fünf Minuten war alles vorbei. Der Ordner wurde ruhig. Die Pflanze fand keine Atmung und keinen Herzschlag mehr bei dem Order und verstoffwechselte ihn wie jeden andern Müll.

In dieser Nacht verschwand mehr als die Hälfte der Ordner. Silvana bekam zum ersten Mal ein Gefühl von Macht. Dieses gute Gefühl hielt leider nicht lange an. Die verbliebenen Ordner waren wütend. Sie hatten schnell festgestellt, woran ihre Kollegen gestorben waren und vernichteten nun systematisch die Latexpflanzen. Dabei gingen sie wie gewohnt mit militärischer Gründlichkeit und Rücksichtslosigkeit vor und provozierten einen für sie ungewohnten Widerstand. Viele Leute versteckten ihre Pflanzen, einige prügelten sich sogar mit Ordnern. Wenn dabei die Uniform der Ordner beschädigt wurde, erledigten die Pflanzen den Rest. Insgesamt war die Orden der Ordner angeschlagen, seine Macht aber war ungebrochen. Wütend suchten sie nach der Quelle der Latexpflanzen. Eine Achtzehnjährige war ihnen zu Silvanas Glück keine nähere Betrachtung wert.

Ihr Problem war, dass die Latexpflanzen zwar sehr schnell wachsen und etwas oder jemand verstoffwechseln konnten, aber ansonsten völlig reaktionslos waren. Ihr schwebte ein Gemisch aus Pflanze und Tier vor, wie es auf viel niedrigerem Niveau Amöben und Bakterien waren. Daher nahm sie ein Studium der Biochemie auf, was nur bedeutete, dass sie in verlassenen Labors einer leeren Uni in Büchern stöberte, die außer ihr sicher niemand kannte und Maschinen und Geräte benutzte, an deren Funktion sich niemand erinnerte. Gerade jetzt, wo es kaum Tiere gab, war der Bedarf an Produkten der Biochemie hoch und so verfügte sie über große Ressourcen für ihre finsteren Pläne.

Silvanas dritte Schöpfung hatte von den Seesternen das Talent zur Fortbewegung geerbt und von den bösartigsten Quallen, deren Gifte je untersucht waren, die Nesselaparate bekommen. Dazu kam ein einfaches Sinnessystem, das als Auslöser der Attacken diente. Ziel wurde alles, was die speziellen Waschmittel der Ordner benutzte. Diese Quallenpflanze eignete sich allerdings nur als Sabotagemittel, denn man musste sie erst vermehren und in großer Menge zu einer Zusammenballung der Ordner bringen, damit sie dort ihr tödliches Werk begann.

Obwohl Silvana klar war, dass sie damit nur eine taktische Waffe geschaffen hatte, testete sie ihre Schöpfung in einer Kaserne. In einer dunklen, regnerischen Nacht lud sie eine Tonne der runden Pflanzen aus einem Tankwagen in die Abwasserschächte vor der Kaserne ihrer Heimatstadt. Ein weiteres Fass zerschlug sie vor dem Eingang, wohl wissend, dass die Pflanzen nicht sehr schnell waren und daher einige Ordner fliehen könnten. Dann zog sie sich einen schwarzen Latexcatsuit an und wartete in einer dunklen Ecke ab, was passieren würde.

Zielstrebig krochen die handtellergroßen Pflanzen auf das Wachgebäude zu. Silvana wartete lange, aber nichts geschah. Kein Geräusch verriet, ob die Pflanzen ihre Ziele schon gefunden hatten. Vorsichtig schaute Silvana ins Wachgebäude. Die Pflanzen würden sie sicher nicht angreifen, aber den wachhabenden Ordnern konnte sie kaum erklären, was sie hier tat. Doch da waren keine Ordner mehr. Nur die herumliegende Pelerinen verrieten, wo sich die Wachen im Augenblick ihres Todes befunden hatten. Eine einzelne, mittlerweile klodeckelgroße Pflanzen auf tausenden kleiner Beinchen leckte die letzten Blutspuren auf, die anderen suchten schon die nächsten Opfer. Silvana ging, wie sie gekommen war. Einige der Pflanzen waren schon auf Quadratmetergröße herangewachsen, als Verstärkung für die Ordner eintraf. Auch unter diesen Ordnern gab es Verluste, bevor die letzte Pflanze aus dieser Serie vernichtet war.

Für Silvana wurde klar, dass sie entweder mit einer riesigen Logistik gegen die Sekte der Ordner antreten musste oder den Pflanzen so viel an Intelligenz verleihen, dass sie sich selbst eine Strategie und Taktik überlegen konnten. Die Aufgabe, einem egal wie kleinen Wesen Intelligenz, Sinnesorgane und die Fähigkeit zur Verständigung einzugeben, war vergleichsweise einfach zu lösen – Biokrieger hatten dies bei einigen Bakterienstämmen mit verheerenden Folgen für die Menschheit geschafft und damit die wichtigsten Vorarbeiten für Silvanas Projekt geschaffen. Doch was musste die Pflanze können? Vermehren und Verstoffwechseln von Müll? Ja, das hatte sich bewährt. Ausscheiden von Latex auf Menschen? Ja, somit wurde die Pflanze wieder zum Sympathieträger. Suche nach Ordnern per Chemotaxis? Nein, für die Suche nach den Ordnern waren komplexere und vor allem zu ändernde Suchmerkmale nötig. Schließlich konnten die Ordner ja Pelerinen und Zahnpaste wechseln, deshalb sollte man keine neuen Pflanzen züchten müssen. So erschuf Silvana die nächste und vorerst letzte Generation von Geschöpfen mit Siliziumstoffwechsel.

Ihre Fähigkeit, aus Licht Energie zu gewinnen, war das Einzige, was sie noch mit Pflanzen verband. Die teilweise überraschend schnellen Bewegungen und das Talent, aus ihrem Körper Arme, Beine und selbst Münder wachsen zu lassen, setzte sie in die Mitte zwischen Tiere und Aliens. Richtig überrascht war Silvana über die Intelligenz der grüngrauen Geschöpfe. Während sie mit Pfenniggröße noch fraßen, was ihnen schmeckte, riefen die apfelsinengroßen Exemplare ihre Kollegen zum Fressen und achteten auf Abstand zu ihr. Man konnte sie mit der Hand füttern, dabei zwitscherten sie aufgeregt. Untereinander machten sie zwar auch Geräusche, aber diese waren leiser.

Richtig überrascht war Silvana von der offenbar werdenden sozialen Intelligenz von melonengroßen Pflanzen. Sie erkundeten ihre Umgebung vorzugsweise im Dunklen, sammelten dabei allen Müll, der zu ihrer Ernährung brauchbar war und brachten ihn in Ecken im Labor. Orte, an deren Silvana diese Müllsammlung störte, wurden nicht noch einmal benutzt. Die Pflanzen kuschelten mit ihr.

Als eine begann, einen hingehaltenen Finger mit der bekannten Latexflüssigkeit einzuscheiden, freute Silvana sich sehr. Mehr als eine Hand konnten diese Exemplare noch nicht benetzte, dazu waren sie einfach zu klein. Bei nächster Gelegenheit hielt Silvana einer Pflanze wieder einen Finger hin. Diese zirpte leise und der größte Teil der grüngrauen Kugeln rollte an und warf Silvana einfach um. Obwohl Silvana versuchte, sich zu wehren, hielten über fünfzig mehrere Kilogramm schwere Pflanzen sie am Boden und benetzten sie über und über mit schnell trocknendem schwarzen Latex. Dabei ließen sie weder die Zwischenräume zwischen den Zehen noch den zwischen den Beinen aus.

Zu Silvanas Erleichterung blieben ihr Augen, Mund und ihre Nase frei. Die lebenswichtige Bedeutung dieser Löcher schien ihren Bezwingern bekannt. Nachdem die Pflanzen ihr bizarres Werk vollendet hatten, rollten sie schnell von Silvana und verschwanden in allen Richtungen. Silvana staunte: Ihr ganzer Körper war von einer lückenlosen straffen schwarzen glänzenden Schicht bedeckt, die schon nicht mehr klebte und bei Bewegung gut nachgab. Nur ihre Finger waren straff nebeneinander verklebt und bildeten eine gebrauchsunfähige Löffelhand, mit der sie zwar ihre Brüste und ihre Scham streicheln, aber nicht zugreifen konnte.

So bedrohlich sie ihre Situation auch fand, erregend war das schon. So setzte sie sich auf einen Tisch und griff sich in den Schritt. Nach wenigen sanften Berührungen war sie ganz in sich und zärtliche Erinnerungen an Yana versunken. Es war einfach großartig, den Schweiß unter der dünnen Haut zusammenrinnen zu spüren und dabei die Macht der eigenen Körperwärme zu spüren.

So registrierte sie nicht, dass einer der seltenen Besucher, ein Ordner, ihre Erregung beobachtet hatte. Sein Wiederkommen mit drei bewaffneten und voll gepanzerten Kollegen bemerkte sie zwangsläufig, als ein Schlag auf den Rücken sie brutal in die Wirklichkeit zurückholte. Ein zweiter Hieb zerschmetterte eine der umherliegenden gerade kirschgroßen Latexpflanzen.

Den dritten Schlag schaffte er nicht. Plötzlich kamen die schwarzen Kugeln wieder aus allen möglichen Ecken angerollt. Die ersten klebten den Ordner mit erhobenem Arm einfach an der Decke fest. Sie wurden zwar durch Schüsse zerstört, aber schon die nächsten Pflanzen stellten ich darauf ein und spritzten ihre Säfte im Rollen durch den Raum. So boten sie kein Ziel mehr und machten ihre Gegner in kurzer Zeit bewegungsunfähig.

Es folgte eine eindrucksvolle Revanche der Botanik. Eine große Kugel rollte auf den Brustpanzer eines liegend gefesselten Ordners. In kurzer Folge tropfte sie einen stinkenden Saft auf Panzer, Helmvisier und die weichen Uniformteile über Gelenken. Offensichtlich war dies ein Versuch, denn jedes Material bekam nur einen Tropfen ab. Nach fünf totenstill verlaufenden Minuten, in denen die Ordner nichts tun konnten außer entsetzte Gesichter schneiden, die Pflanzen nichts taten und Silvana einfach nur verschwinden wollte, bekam jeder Ordner eine kleine aggressive Pfütze an die Übergänge seines Helmvisiers gespritzt. Schon nach einer Minute bildete sich an der Anspritzstelle ein Loch.

Silvana beobachtete so lange, was aus den Resten einer zerschossenen Latexpflanze wurde. Deren größte Fragmente zogen sich zu einer kleineren schmutziggrauen Kugel zusammen, die dann die kleinren Trümmer durch anfangs unkoordiniertes, dann sehr gezieltes Überrollen aufnahm. Das regenerative Potential dieser lebenden Masse war erstaunlich. Genau diese Pflanze rollte dann auf den Ordner, der sie angeschossen hatte. Ein langer Tentakel schob sich durch das Loch am Hals zum schreckensverzerrten Gesicht des Ordners. Der Tentakel verschloss zuerst die Nasenlöcher des Ordners mit einer hauchdünnen durchscheinenden Schicht, dann spannte er eine Membrane über seinen offenen Mund. Etwa zehn Minuten versuchte der Ordner, seinem Schicksal zu entgehen, indem er die Blase vor seinem Mund ansaugte und zerbiss, doch das wurde mit den immer dicker werdenden Schichten schwieriger. Diese Kreatur wollte sich nicht nur wehren, sie wollte den quälen, der sie angeschossen hatte. Das tat sie gründlich, denn als ihr Opfer sich schon in epileptischen Krämpfen wand, beseitigte sie die tödliche Gummischicht vor seinem Mund selbst und wartete sein wiedererwachendes Bewusstsein ab.

Er durfte erst zusehen, wie ein anderer schleimig schwarzer Tentakel derselben Latexpflanze seine Kollegen umbrachte, indem er in den Mund vorwuchs und dort einen Tropfen Säure auf den Gaumen tropfen ließ, von wo er direkt ins Hirn lief. Nach einem Zucken waren sie tot. Der Tentakel wandte sich wieder seinem ersten Opfer zu, um seine nun überflüssigen Augen herauszuätzen und durch zwei Tochterknollen zu ersetzen, bevor er das Spiel mit der Membrane vor dem Mund wieder begann.

Silvana schrie laut auf, als nun auch sie ein Tentakel berührte. Doch die Latexpflanze schob ihr nur ihre Webcam zu, so als wollte er sagen „Fotografiere das als Warnung für die Anderen. Niemand zerschießt uns!“ Irgendwann begriff sie, dass sie genau das sagen wollte. Langsam wurde Silvana klar, dass sie die von ihr so gesuchte Waffe gegen die Ordner schon in der Hand hatte. Sie musste die Ordner nicht suchen – die Ordner würden die Pflanzen suchen, attackieren und gegen sie verlieren. Und die Pflanzen schienen noch nachtragender als Silvana zu sein. Kein Wunder – Rachedurst war das, was sie am Leben hielt.

An diesem Abend beschloss Silvana, den Latexkokon nicht auszuziehen, denn er schützte sie vor den auf einmal sehr unheimlichen Pflanzen. Als sie in ihr Labor kam, lagen dort zwei schwarze Kugeln von erschreckender Größe vor ihrem Computer. Sie waren fast einen Meter groß – noch größer hätten sie nicht durch den Türrahmen gepasst. Mit ihren Pseudopodien tasteten sie langsam über die altmodische Tastatur.

Schon lange steuerte man Computer per Funk mit einem Chip, der auch Silvana im Kindesalter vor dem Ohr eingepflanzt wurde. Die drahtlose Verbindung war leicht abzuhören, daher bevorzugte sie die Tasten. Lange verweilten die Tentakel auf der Tastatur, dann erschienen der Reihe nach alle Ziffern und Buchstaben. Silvana wollte verschwinden und ihre Kamera holen, doch zwei blitzschnell gewachsene dicke Tentakel hielten ihre Beine zusammen. Der Druck war sanft, doch er sagte eindeutig „Geh nicht weg!“

„CAN YOU HEAR ME“ stand auf dem Bildschirm. Geschockt stand Silvana vor der Botschaft. Sie hatte die intellektuellen Fähigkeiten ihrer Geschöpfe um Dimensionen unterschätzt. Die Syntax des Englischen war kein Problem, die Bedeutung der Tastatur und ihre Bedienung hatten sie soeben herausgefunden. „PLEASE ANSWER“ stand nun auf dem Bildschirm. „Please!“ Sie musste lachen, denn vielleicht müßte sie als nächstes die fehlenden Satzzeichen erklären und dafür ein „Ich bitte um Entschuldigung und zerfließe vor Zerknirschung!“ dafür von einer schwarzen Latexkugel lesen müssen.

Kein Tentakel hinderte sie daran, zum Computerstuhl zu gehen und sich zu setzen. „YES!“ Die Kugeln begannen laut und aufgeregt zu zirpen, immer die gleiche Melodie. Schließlich erkannte sie das Problem: Sie sollte auf die Geräusche reagieren. Doch sie verstand den Inhalt nicht. „I CAN HEAR YOU. BUT I CAN NOT UNDERSTAND YOU.“ Die Kugeln schienen vor Trauer zu schrumpfen. „HOW CAN WE HELP YOU“. Tja, das war eine gute Frage! „LET ME SEARCH SOMETHING“.

Artig rückten ihre Begleiter auseinander. Silvana rannte durch die Labors, bis sie ein Mikrophon gefunden hatte, dass sie nun an den Computer anschloss. „SAY HALLO“ tippte sie in den Rechner. Ein kurzes Quietschen war die Antwort. Silvana hatte es aufgezeichnet und sah sich entmutigt die Frequenzverteilung an. Keine Trennungen, die einen Einzelcode vermuten ließen. Dann spielte sie das Ganze langsam ab. „Hallo“ klang es zu schnell und mit quietschender Stimme. Mit zehnfacher Erniedrigung der Frequenz wurde es verständlich.

Fröhlich tippte sie in die Tastatur: „NOW I CAN HEAR YOU“. „Endlich!“ sagte ihr Computer. „Was können wir tun?“ „Ihr solltet erst einmal die Ordner beseitigen, die dort draußen herumliegen!“ „Das haben wir schon. Was können wir noch tun?“ „Ihr könnt mir helfen, etwas gegen die Ordner zu tun.“ „Das will der Schöpfer nicht. Er hat uns die Menschen gegeben, damit sie Müll produzieren, der uns ernährt. Aber er wünscht nicht, dass wir die Menschen angreifen, denn wenn sie alle sind, haben wir auch keine Nahrung mehr. Aber falls ein Mensch angreift, dann gehört er uns. Was können wir noch tun?“ Silvana dachte nach. Wenn sie die Kugeln nach Yana suchen ließe, dann würden die Ordner genauso sie finden. Um die Pflanzen machte sie sich nun keine Sorgen mehr. Sie kam sich vor wie ein General, der gerade neue Armeen bekommt.

„Sucht meine Freundin Yana! Sie wird von den Ordnern gefangen gehalten.“ „Wir werden sie finden. Unserer kleinsten Teile sind nicht sehr klug, aber sie kommen weit herum. Nun hast Du Dir eine Belohnung verdient.“

„Was wollt ihr tun?“ „Halte still und habe Vertrauen!“ zirpte eine der größeren Kugeln bestimmt. Plötzlich wurde Silvana von hinten festgehalten. Zwei dicke Tentakel zogen ihre Arme auf dem Rücken eng zusammen, dann wurde sie angehoben und in die Waagerechte gebracht. Weitere dicke Arme aus Latex unterstützten ihren Rücken und zogen ihre Beine lang auseinander. Eine klebrige breiige Masse floss über ihren Kopf und verdunkelte die Welt. Es wurde sehr leise, doch wider Erwarten bekam sie gut Luft. Sie fürchtete, dass gleich ein viel zu dickes Objekt in ihren Unterleib eindringen würde, aber genau dies geschah nicht. Es geschah überhaupt nichts. Doch an ihrem Hals fühlte es sich an, als gewänne das Material, in dem ihr Kopf eingebettet war, an Struktur. Eine Art Arm schlang sich um ihren Hals und hielt ihn. Der Druck war anfangs erträglich.

Jetzt erst spürte sie eine sanfte Berührung an ihren Brüsten. Das, was da streichelte, war warm, klein und hatte wohl Spitzen oder Krallen. Die Berührungen erforschten wohl die Grenzen von Silvanas Wahrnehmungsfähigkeit, doch deshalb banden sie ihre gesamte Aufmerksamkeit. Trotz der Situation, die Silvana keine Handlungsoptionen außer “Erdulden” ließen, fand sie dieses Erforschen ihres Körpers entspannend.

Geduldig umkreisten zwei kleine Objekte weiter ihre Brüste, sonst passierte nichts. Sie wäre fast eingenickt, als ein kleiner scharfer Biss in beide Brustwarzen ihre Sinne wieder hellwach werden ließ. Der Schmerz ließ gleich wieder nach, aber der Druck und der Bewegungsradius der Objekte war nun größer. Von den Achseln immer wieder um die Brüste bis zum Nabel rieben zwei oder vier, so genau bekam sie das nicht mehr heraus, faustgroße kugelige Objekte ihre von einer dünnen Schicht Latex verdeckte Haut.

Wieder wurde sie sanft und geduldig gestreichelt, bis sie fast einnickte und wieder wurde sie mit einem schmerzhaften Biss, dieses Mal an der Achselhöhle weckte. Silvanas hell gespannte Aufmerksamkeit registrierte, wie die sanfte Berührung von den Achseln über ihre straff gespannten Brüste bis zum Venushügel abstieg. Doch die Kugel verblieb nicht dort. Sie berührte die Achseln in dem Augenblick, in dem die Scham verlassen wurde. Demnach bearbeiteten sie mindestens vier Tentakel.

Silvana beschloss, sich wenigstens der guten Ordnung halber etwas zu wehren, denn langsam schliefen ihr die hinter dem Rücken zusammengehaltenen Arme ein. Zuerst bewegte sie tastend die Hände. Sofort umfloss je ein Tentakel ihre Hände bis weit über die Handgelenke und härtete aus. Ihre Finger staken komfortabel und unbeweglich in der warmen Masse fest. Die Latexpflanzen ließen keine Aktivität von Silvana zu. Dafür führten die Tentakel ihre Arme von allein neben den Körper.

Geduldig wanderten die Tentakel weiter über ihren ungeschützten empfindlichen Bauch. Nun versuchte sie, den Tentakeln auszuweichen. Sie erwartete, dass nun auch ihr Rücken umflossen wurde, doch die Tentakel folgten unbeirrt ihren Ausweichbewegungen. Dann versuchte sie, einen Tentakel mit der gesamten Kraft ihres schlanken Rumpfes zu irritieren. Die Tentakel fuhren unerwartet ihre Krallen aus, die einen kurzen scharfen Schmerz an ihrem Bauch hinterließen. Beim Entspannen klang der Schmerz sofort ab, sie wurde also sicher nicht verletzt. Aber abgesehen war der Schmerz eher anregend. Also spannte sie wieder gegen und genoss, wie pro Tentakel drei Spitzen ihren Bauch und ihre Brüste berührten.

Die Tentakel hatten wohl auf Silvanas Reaktion gewartet, denn erst jetzt wurden sie richtig aktiv. Sie spreizten ihre Beine weiter, so dass die Schamlippen freilagen. Dann eroberten weitere spitzenbewehrte Tentakel die Innenseiten ihrer Schenkel. Obwohl diese Berührung erregend war, gab sich Silvana alle Mühe, ihren Atem ruhig zu halten und einzuschlafen. Das ärgerte die Tentakel. Kurz nacheinander kniffen spitze Objekte den Vorderrand ihrer Achselfalten, ihre Brüste, einige Stellen am Bauch und ihre Leisten. Der Schmerz blieb diesmal permanent, also hatten die Tentakel irgendwelche Klammern gesetzt. Ein Einschlafen wurde ihr nicht gestattet.

Silvana hatte schon lange ihr Zeitgefühl verloren, ihre augenblickliche Welt war leise und dunkel. Doch dafür war ihr Tastsinn aufs Äußerste geschärft. Langsam veränderte sich das Latex über ihrem Gesicht. Ein ungeformtes Etwas zog von ihren Augen zu den Lippen und hinterließ eine dünne Membrane, die sich ansaugen und wegblasen ließ. Doch frische Luft ließ sie nicht heran. Panik stieg in Silvana auf. Während sie um Luft rang, stimulierten die Tentakel ihre Brüste nun großflächig und spreizten ihre Schamlippen. Silvana schwitzte und fühlte, wie es zwischen ihren Beinen feucht wurde.

Nach einer Minute war alles vorbei. Die Tentakel stellten alle Aktivität ein, frische Luft umspülte ihre Lippen. Schwer atmend holte Silvana die Atmung der letzten Minuten nach. Es verblieb das Gefühl, etwas dickes, warmes läge vor ihren großen Schamlippen und wartete, eingelassen zu werden. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, kniff ihre Lippen zusammen, hielt die Luft an und bewegte ihr Becken. Die Gummipflanze verschloss ihr sofort wieder die Atmung. Die große Ruhe und Klarheit kam über sie und sie konnte genießen, wie ein dünnes tastendes Etwas langsam in ihre hintere Pforte eindrang. Es gewann gerade an Volumen und Härte, als die Atemnot sie wieder in die Realität zurückholte.

Wieder folgte eine kurze Ruhepause, in der sie laut keuchend ihren Sauerstoffspiegel normalisierte. Silvana könnte ihren augenblicklichen Geisteszustand hinterher nicht beschreiben. Ihr ganzer Körper schrie “Nimm mich! Weiter! Mehr!” und es war ihr völlig egal, das man ihr Gegenüber weder als Mensch noch als Wesen bezeichnen konnte. Die Klarheit der letzten fünf Minuten war einer starken Erregung gewichen.

Und so hielt sie wieder die Luft an und öffnete sich für das, was da in sie eindrang. Sie hatte einmal eine Latexpflanze mit einem buckligen Rohrkolben von drei Zentimetern Durchmesser entworfen. Die Pflanze prägte genau diesen Kolben aus und presste ihn in ihre feuchte Möse. Dann trieb die Pflanze sie in einen langen Orgasmus.

Als Silvana erwachte, fand sie sich nicht zurecht. Sie sah von oben auf ihren vertrauten Computerraum. Ihre Muskeln fühlten sich zerschlagen an und im Unterleib forderten zwei Objekte Platz, die dort nach ihrem Schamgefühl nicht hingehörten. Trotzdem verbreiteten sie ein wohliges Gefühl. Ihre Finger ließen sich nicht bewegen, doch der Versuch war auf dem Gesäß spürbar.

Langsam wurde ihr ihre Lage klar: Sie hing mit eng auf dem Rücken gebundenen Armen und straff auf die Oberschenkel gespannten Füßen in einem dicken Latexkokon unter die Deckbalken geklebt.. Unter ihr wachte eine der riesigen Pflanzen. “Geht es dir gut?” fragte ihre Stimme aus dem Computer. Silvana dachte lange nach. Abgesehen davon, das zwei schwarzgrüne schleimige Kugeln sie gefangen, vergewaltigt und an die Decke geklebt hatten, fühlte sie sich sauwohl. “Möchtest du aufstehen?” Silvana kam sich so gut umsorgt vor, wie das zuletzt Yana für sie getan hatte. Yana, ja, ihre Befreiung war das nächste Ziel.

Aus der Pflanze wuchs langsam ein langer Arm mit einer Kralle zu ihr hin und ritzte ihren Kokon seitlich auf. Unwirklich langsam fiel sie, von mehr Fäden an den Schultern als an den Hüften gehalten, auf ihre steifen Beine. Verwirrt betastete sie ihren von dicken Gummischichten eingehüllten Körper. An den Achseln und Brüsten saßen kleine Kugeln. Es waren irgendwelche Dornen darin, denn beim Betasten verursachten sie einen scharfen Schmerz, der sie an die letzte Nacht erinnerte und ein sehnsüchtiges Ziehen in ihrem Becken hinterließ. Ihr Becken steckte in einer noch dickeren Schicht Latex als der Rest ihres Körpers. Zwei dicke Zapfen steckten wohl noch in ihr, denn das Betasten ihres Schrittes löste ungeahnte Reize in ihr aus.

“Ausziehen?” Ihre Selbsterforschung wurde von der quäkenden Computerstimme gestört, die ihr so gar nicht mehr zu der schwarzen Kugel passen wollte. Der Tentakel, der sie eben befreit hatte, formte seine Kralle in ein nadelspitzes Objekt um. Silvana blieb regungslos stehen, als die Klinge an ihren Lippen ansetzte und langsam über Hals und Kehlkopf zwischen ihre Brüste fuhr. Sofort platzte das Latex von ihrer Haut ab. Die Kralle hinterließ einen dünnen roten Kratzer auf Silvanas Bauch, als sie ihr Werk bis zwischen die Beine vollendete. Das dicke Latex haftete nicht sehr an Silvanas Haut, es ließ sich wie ein enger Strumpf von den Armen ziehen. Als sie die beiden dicken Freudenspender aus ihrem Becken entließ, blieb ein trauriges Gefühl der Leere zurück.

Silvana duschte ausgiebig und schob dabei immer wieder ihre Hand zwischen die Beine. Der Zauber war weg. Ihre eigene Hand war nicht so zärtlich wie Yana und nicht so erregend wie die Pflanzen, die seltsamerweise nicht mehr zu entdecken waren. Peinlich berührt zog sie ihren dicksten Catsuit an, darüber einen Keuschheitsgürtel und einen dicken Brustpanzer aus poliertem Titan, der ihr sonst immer Sicherheit verliehen hatte. Aber sie wusste, das die Pflanzen jederzeit durch den kleinsten Spalt in sie eindringen konnten. Und falls sie keinen Wert auf Silvanas Unverletztheit legten, brauchten sie nicht einmal einen Spalt.

“Du möchtest Dich vor uns schützen?” fragte die dicke Kugel auch prompt als erstes, als Silvana ihr Labor wieder betrat. Konnten diese Monster etwa Gedanken lesen? “Du brauchst uns nicht zu fürchten, denn Du stehst dem Schöpfer nahe.” erzählte die Pflanze. “Und” fragte Silvana amüsiert, “Wieso bin ich nicht der Schöpfer?” “Du bist ein Werkzeug, denn du hast zwar alle Maschinen bedient, die mich und meine Mitknospen schufen. Aber du kanntest den Bauplan nur so weit, wie du ihn wissen musst. Der Schöpfer hätte unsere Eigenschaften gekannt.

Zuerst hat euch Menschen der Schöpfer einen ganzen Planeten gegeben mit wehrhaften Tieren und wehrlosen Pflanzen. Sie sind weg und euer Dasein ist erbärmlich. Nun hat er uns geschickt, damit wir die Erde wieder aufräumen. Wir sind nicht wehrlos. Doch schon in der ersten Stunde unserer Existenz haben wir erkannt: Wenn wir Euch ausrotten, verschwindet unsere Nahrung.

Wir sind nicht die Herren dieses Planeten, denn wir leben zu kurz. Sind wir kleiner als einen halben Meter, dann können wir noch nicht denken. Wachsen wir über anderthalb Meter, dann reicht unsere Kraft nicht für unseren Zusammenhalt und wir zerfallen zu kleinen, dummen, hungrigen Teilen.”

Da hatte Silvana etwas geschaffen: keine zwei Wochen auf der Welt und schon hielten ihr ihre Geschöpfe ihr Referate über Philosophie und schufen Religionen. Sie war fast bereit, sich selbst als Werkzeug des großen Schöpfers zu sehen. Doch das war ihr egal. Sie wollte Yana haben und das schnell. Bei der Gelegenheit könnten ja die Ordner auf die Pflanzen aufmerksam gemacht werden. Sie räumte ihren Feinden hämisch grinsend nicht die geringste Chance ein.

Silvanas Wunsch wurde schnell erfüllt und anders als ihr lieb war. In den nächsten anderthalb Stunden berichtete ihr die große Pflanze, wie sich die Kugeln an vielen Orten den Ordnern zeigten, wie die Ordner erwartungsgemäß aggressiv Jagd auf sie machten und dann regelmäßig von den angeblich so friedliebenden Pflanzen aufgefressen wurden.

Die Zentrale der Ordner wurde erst spät gefunden. Da waren die Ordner schon gewarnt und verschanzten sich. Zur Verteidigung setzten sie einige Viren frei, die viele von ihnen selbst, ihre Gefangenen und sogar einige Latexpflanzen der Umgebung einfach langsam auflösten. Silvana brach zusammen, als sie die Nachricht hörte. So war ihr gesamter Kampf umsonst: Yana war tot, einige Ordner blieben übrig und hatten ihr Labor als Quelle des Bösen erkannt. Sie kannten sogar einige Viren, die die Pflanzen schnell vernichten konnten. In ihrer verzweifelten Stimmung riss sie sich jeden Schutz vom Leib und rannte nackend auf die Straße, um von den Ordnern getötet zu werden oder einige Viren abzubekommen und zu sterben wie Yana.

Dieser Wunsch wurde ihr nicht erfüllt. Die von den Ordnern eingesetzten Viren vermehrten sich wie viele Biowaffen nicht und niemand hielt ein nacktes Mädchen auf, wo man doch eine schwer bewaffnete Verbrecherin suchte. So kam sie aus der Stadt und rannte, bis sie in den Bergen erschöpft und nackt einschlief.

Als sie erwachte, wurde es gerade wieder Morgen. Ein herrlicher Sonnenaufgang verwandelte die pyramidenförmigen Berge in einen riesigen Kamm, der aus den weißen Wolken rosarote Watteknäuel formte. Niemand war zu sehen, nur einige schwarze Pflanzenkugeln rollten ziellos über die Berge. “Gefällt Dir diese Welt?” fragte eine wohlbekannte, spöttische Stimme. Yana! Lebte sie etwa? Doch als sich Silvana umdrehte, lag nur eine kleine Kugel vor ihr. “Schau nicht so dumm drein! Ich bin es wirklich. Deine Geschöpfe können die Seele und das Bewusstsein bewahren, wenn sie jemanden lebend fressen. Das üben sie schon eine Weile an Ordnern, aber da war nie etwas aufbewahrenswertes drin. Als die Pflanzen kamen und die Ordner ihre letzten Viren losließen, blieb nicht viel von mir übrig. Aber was Gehirn, was noch da war, das haben sie bewahrt. So bin ich hier.”

Silvana schaue ungläubig auf die Kugel. “Vertrau mir einfach! Die Pflanzen brauchen deine Hilfe. Die Ordner suchen dich und vernichten sie jetzt mit Flammwerfern und Laserwaffen. Wenn die Pflanzen die letzten Ordner beseitigen sollen, dann brauchen sie dein Wissen und Fernwaffen. Steig einfach ein!”

“Was soll ich tun?” “Bitte steig in die Latexpflanze! Sie wird dich assimilieren und dein Wissen über Biowaffen, Viren und Technik aufnehmen. Ich hab doch nur Ahnung von Menschen. Du wirst mit mir weiterleben und die Ordner endgültig besiegen.”

Eine wirkliche Wahl hatte Silvana nicht allein gegen über hundert schwer bewaffnete Ordner. Allerdings hatte sie eine Idee, mit welcher DNS-Sequenz die Pflanzen Quallentoxine ausscheiden konnten, die auch durch die Pelerinen wirkten. Die Sequenz war schon in ihrem Erbgut, es musste sie nur jemand aktivieren.

Einmal noch schaute sie die Landschaft an. Die Schäfchenwolken in der Hochatmosphäre warfen mit ihren fraktalen Formen immer neue Schatten auf die in einem exakten RAL-Grasgrün erbauten Halbkugelberge, auf denen Latexpflanzen in schwarzen Mustern durcheinander rollten.

Dann kam es zu dem denkwürdigen Augenblick, der diesen Krieg entschied und die Daseinsform der Menschen für immer veränderte: Silvana stieg in die Latexpflanze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.